Hohe Verluste für PKP Cargo im ersten Quartal

Die polnische Güterbahn hat im ersten Quartal 2024 einen Verlust von 27,8 Millionen Euro eingefahren. Die Verkehrsleistung brach um 28,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal ein und betrug 4,6 Milliarden Tonnenkilometer.

Die polnische Güterbahn hat heute Zahlen für das erste Quartal 2024 veröffentlicht. Wie angesichts der bereits angekündigten Sparmaßnahmen zu erwarten war, fallen die Zahlen schlecht aus.

Tonnage sinkt um fast ein Viertel
In den ersten drei Monaten beförderte die Gruppe PKP Cargo 17,9 Millionen Tonnen. Das entspricht einem Rückgang von 23,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Beförderungsleistung brach um 28,8 Prozent ein und belief sich auf 4,6 Milliarden Tonnenkilometer. Die durchschnittliche Transportentfernung betrug 256 Kilometer. Die stärksten Rückgänge bei der Tonnage gab es beim Transport fester Brennstoffe sowie Holz und landwirtschaftliche Erzeugnisse mit 35,1 Prozent beziehungsweise 34,0 Prozent.

Damit verzeichnet PKP Cargo höhere Aufkommensverluste als der polnische Schienengüterverkehrsmarkt insgesamt. Dort betrug das Minus 10,5 Prozent. 54,2 Millionen Tonnen wurde im ersten Quartal 2024 per Bahn in Polen befördert. Die Güterverkehrsleistung in Polen gab um 12,6 Prozent nach. Der Anteil der PKP Cargo-Gruppe am inländischen Schienengüterverkehrsmarkt ist im ersten Quartal dieses Jahres daher weiter geschrumpft auf 30,0 Prozent. Das sind 5,9 Prozentpunkte weniger im Vergleich zum Vorjahresquartal.

Umsatz bricht um 24,5 Prozent ein
Der Einbruch der Mengen und der Leistung bei PKP Cargo macht sich auch im finanziellen Ergebnis bemerkbar. „Der Nettoverlust belief sich auf 118,1 Millionen Zloty“, sagte Monika Starecka, im Vorstand der PKP Cargo für Finanzen zuständig. Umgerechnet entspricht dies 27,8 Millionen Euro. Im ersten Quartal 2023 hatte das Unternehmen noch einen Gewinn von 104,2 Millionen Zloty (24,5 Millionen Euro) ausgewiesen. Der Umsatz betrug im ersten Quartal 2024 umgerechnet 277,5 Millionen Euro und gab um 24,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal nach. „Der Rückgang der Produktion von Gütern, die aus Sicht von PKP Cargo wichtig sind, wie Kohle oder Stahl, wirkte sich negativ auf das Portfolio der realisierten Transporte aus“, sagte Starecka.

Das Unternehmen teilte ferner mit, dass der Vorstand heute die Einführung des sogenannten „Nichtarbeitens“ in der Gesellschaft beschlossen habe. Diese Maßnahme werde für maximal 30 Prozent der Belegschaft einen Zeitraum von zwölf Monaten umfassen. Die Arbeitnehmer erhalten in dieser Zeit eine Sozialleistung in Höhe von 60 Prozent der monatlichen Bezüge. Diese „Dienstbefreiung“ werde auf alle Berufsgruppen angewendet, einschließlich der Leitung einzelner Werke oder der Büros der Hauptverwaltung.

Noch gibt es keine Kündigungen
Marcin Wojewódka, derzeit amtierender Vorstandsvorsitzender von PKP Cargo, bezeichnete diese Maßnahme als eine „schwierige Notwendigkeit“. Er dankte den Gewerkschaften für den konstruktiven Dialog. Die Lösung habe es ermöglicht, alle Arbeitsplätze zu erhalten. Doch gibt es keine Garantie, dass dies so bleibt: „Was in der zweiten Hälfte des Jahres 2024 passiert, hängt dagegen unter anderem davon ab, welche konkreten Ergebnisse das sogenannte ‚Nichtarbeiten‘ bringt“, sagte der Vorstandsvorsitzende.

Die Krise von PKP Cargo war vergangene Woche auch Thema im polnischen Parlament. Nach Angaben von PKK Cargo versicherte der stellvertretende Infrastrukturminister Piotr Malepszak, dass es das Ziel des Ministeriums sei, PKP CARGO wieder zu einem starken Marktanteil zu verhelfen. Er erklärte demnach, dass die derzeitige Situation auf Fehler im Management des Unternehmens in den vergangenen Jahren zurückzuführen ist. Ein weiterer Fehler sei es gewesen, eine große Gruppe von Führungskräften mit hohen Gehältern in der Endphase bis 2023 zu beschäftigen. Der stellvertretende Minister wies aber auch darauf hin, dass die Gewerkschaften zu viel Einfluss auf die Entscheidungen des Managements des Unternehmens gehabt hätten.

Regierung auf der Suche nach einem neuen Vorstand
Malepszak sagte weiterhin, dass vergangene Woche ein Auswahlverfahren für den Präsidenten und die Mitglieder des Vorstands der PKP Cargo ausgeschrieben worden sei. „Wir wollen, dass das Unternehmen bis Ende Juni einen neuen, professionellen Vorstand hat, der die Umstrukturierungsmaßnahmen durchführen wird“, erklärte der stellvertretende Minister.

PKP Cargo ist nach wie vor der Marktführer im Schienengüterverkehr in Polen und zählt zu den führenden Anbietern in diesem Sektor in der EU. Die PKP Cargo-Gruppe beschäftigt 20.000 Mitarbeiter und verfügt über einen Fahrzeugpark von 1.500 Lokomotiven und 53.000 Waggons.

Quelle:
DVZ

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