Noch vier Bieter plus x für Schenker

Die Deutsche Bahn geht einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge mit einem Quartett in die nächste Bieterrunde um die DB-Logistiktochter. Genannt werden aber noch mehr Namen. Warum und welche es sind, erläutert die DVZ.

In der nächsten Runde des Bieterrennens um die Deutsche-Bahn-Logistiktochter Schenker sind einem Bericht der Finanznachrichtenagentur Reuters zufolge noch vier Akteure im Spiel. Darunter seien ein Finanzinvestor, ein strategischer Investor, ein europäischer Geldgeber sowie ein Interessent aus Nahost, heißt es unter Berufung auf Finanzkreise.

Die unverbindlichen Gebote in der vorherigen Verkaufsphase hätte in der Spitze bei 15 Milliarden Euro und möglicherweise sogar etwas mehr gelegen, so Reuters. Dabei wurden die drei strategischen Investoren DSV, Maersk und MSC sowie die Finanzinvestoren CVC und Carlyle neben den arabischen Akteuren Bahri Logistics und ADQ genannt. Bloomberg hatte zuvor konkret von einer 14-Milliarden-Euro-Offerte der gemeinsam agierenden Finanzinvestoren CVC und Carlyle gesprochen.

Wer nun wirklich noch im Rennen ist, ist schwer zu sagen, da die Karten auf Bieterseite offenbar laut den Finanzagenturen noch einmal neu gemischt werden. So ist die Rede davon, dass sich Carlyle zurückgezogen habe. Stattdessen werden jetzt mit GIC aus Singapur und AIDA aus Abu Dhabi neue Namen gehandelt, die wiederum als Staatsfonds gemeinsame Sache mit den Finanzinvestoren machen könnten.

Die DVZ gibt daher hier einen kurzen Überblick über die genannten Akteure – mit Ausnahme der bekannten strategischen Investoren – und zeigt auch, ob und wo diese schon in der Logistikbranche engagiert sind. Schließlich waren Erfahrungen in der Logistik gleich zu Beginn von der Deutschen Bahn als ein Auswahlkriterium definiert worden.

CVC Capital Partners, Luxemburg
Das Private-Equity-Unternehmen ist eigenen Angaben zufolge in 125 Unternehmen weltweit investiert und verwaltet ein Vermögen von 186 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen den seinerzeit größten Private-Equity-Fonds mit knapp 27 Milliarden Euro weltweit aufgelegt und ist seinerseits Ende April dieses Jahres selbst an die Börse gegangen. Dadurch flossen CVC 2,3 Milliarden Euro zu.

In der Logistik ist CVC kein Unbekannter. Seit vergangenem Jahr sind die Luxemburger Eigentümer von Scan Global Logistics. Im Januar dieses Jahres übernahm CVC gemeinsam mit einem Partner zudem 100 Prozent der Anteile am tschechischen Paketdienst Packeta. Seit Ende 2020 ist der Investor zudem am philippinischen Dienstleister Fast Logistics beteiligt und vor rund zweieinhalb Jahren hat CVC den Zusammenschluss der 3PL-Anbieter Worldwide Express und Globaltranz vorangetrieben, an denen CVC seitdem ebenso beteiligt ist.

Carlyle Group, USA
Das Unternehmen verwaltet 425 Milliarden US-Dollar und ist eines der weltweit größten börsennotierten Private-Equity-Unternehmen. Carlyle hat sich beim Börsengang in 2021 an JD Logistics beteiligt und sich 2022 einen Anteil von 10 Prozent am Autocarrier Hyundai Glovis gesichert. Hierzulande hat das Unternehmen zuletzt vor allem im Logistikimmobiliensektor investiert und in München, Hannover und Ulm zugekauft. Das Portfolio umfasst aber auch Logistikimmobilien in Frankreich und den Niederlanden.

Bahri Logistics, Saudi-Arabien
Bahri Logistics ist Teil der National Shipping Company of Saudi Arabia – kurz Bahri. Das 1978 gegründete Unternehmen war zunächst vor allem im Multipurpose-Segment aktiv, hat sich eigenen Angaben zufolge über die Jahrzehnte aber zu einem der größten Schifffahrtskonglomerate weltweit gewandelt. Der Umsatz belief sich im vergangenen Jahr auf umgerechnet 2,16 Milliarden Euro, wovon gut die Hälfte aus dem Öltransport stammt. Knapp ein Drittel entfällt auf den Chemikalientransport, gut ein Zehntel auf die Logistik. Letztere ist dabei im Wesentlichen das ursprüngliche Breakbulk-Geschäft, in dem Bahri Logistics heute mit sechs eigenen Schiffen aktiv ist.

Abu Dhabi Investment Authority, Vereinigte Arabische Emirate
Die Abu Dhabi Investment Authority – kurz ADIA – ist einer der drei Staatsfonds des Emirates Abu Dhabi. Die beiden weiteren sind ADQ und Mubadala. ADIA hat in der Logistik Mitte 2022 seine Spuren durch die Übernahme der Mehrheit an dem Hamburger Schienenlogistik- und Waggonvermietungsunternehmen VTG hinterlassen.

ADQ, Vereinigte Arabische Emirate
Der zweite Staatsfonds aus Abu Dhabi ist ADQ, bis 2020 als Abu Dhabi Developmental Holding Company bekannt. Das Unternehmen ist mit 75 Prozent Mehrheitseigner der Abu Dhabi Ports Group (AD Ports), die im Zuge des Schenker-Verkaufs auch stets als potenzieller Interessent genannt wurde. AD Ports wiederum hat im vergangenen Sommer die Übernahme von Noatum Logistics für umgerechnet 660 Millionen Euro bekannt gegeben.

GIC, Singapur
GIC ist der Schwesterfonds zu Temasek, dem großen Staatsfonds aus dem südostasiatischen Stadtstaat. 1981 gegründet, ist das Unternehmen eigenen Angaben zufolge mit mehreren hundert Milliarden US-Dollar in gut 40 Ländern investiert. Dabei hat GIC sich stets auch an Logistikunternehmen beteiligt, so an XPO Logistics und Railpool.

Quelle:
DVZ

Schreibe einen Kommentar