Vierfaches Gehalt! Reeder von Havarie-Frachter „Ever Given“ zahlt Mega-Bonus

Solche Boni gibt’s nicht mal bei den Banken: Weil das Geschäft 2022 blendend lief, kassieren Mitarbeiter einer taiwanesischen Reederei Prämien in Höhe von 50 Monatsgehältern. Das Unternehmen ist aber nicht zum ersten Mal in den Schlagzeilen.

Üppige Boni erregen immer wieder Aufsehen, wie die Sonderzahlungen der deutschen Autoindustrie beispielsweise. Porsche etwa zahlte für das Geschäftsjahr 2021 bis zu 7900 Euro an seine Mitarbeiter in Deutschland. Auch die dicken Prämien der Bankenbranche heizen Mal aufs Mal Debatten an.

Um wieder mehr Finanzunternehmen nach London zu locken, schaffte Großbritannien 2022 sogar einen Boni-Deckel für Banker ab – der, so der damalige Finanzminister Kwasi Kwarteng, seinen Zweck ohnehin nicht erfüllt habe. Kritiker raunten, dass die Abschaffung des Deckels eine Kultur wiederbelebe, die sich nach den Bankenskandalen nach der Finanzkrise niemand zurückwünsche.

Taiwanesischer Reeder zahlt Boni in Höhe von 50 Monatsgehältern
Das alles ist kein Vergleich zu den Boni, die ein taiwanesisches Schifffahrtsunternehmen seinen Mitarbeitern für das Jahr 2022 zahlen will. Der Finanznachrichtenagengtur Bloomberg zufolge zahlt Evergreen Marine seinen Beschäftigten für das abgelaufene Geschäftsjahr im Schnitt Prämien in Höhe von 50 Monatsgehältern – oder gut vier Jahresgehältern. Das erfuhr Bloomberg von einem Insider. Zuvor hatte die „Economic Daily News“ aus Taipei ebenfalls über die Boni berichtet.

Evergreen Marine selbst erklärte, dass sich die Jahresboni anhand des Unternehmenserfolgs und individueller Leistungen ermitteln, ohne sich näher zu den Zahlungen zu äußern. Auf Unternehmensebene zumindest könnte es kaum besser laufen. Evergreen profitiert massiv vom Boom der globalen Frachtschifffahrt in den vergangenen zwei Jahren. Für das Geschäftsjahr 2022 dürfte der Umsatz der Taiwanesen bis auf 634 Milliarden Taiwan-Dollar steigen – umgerechnet gut 19,4 Milliarden Euro.

Gegenüber dem ersten Pandemiejahr 2020 hat sich der Umsatz gut verdreifacht, merkt Bloomberg an. 2019 noch setzte Evergreen nur 191 Milliarden Taiwan-Dollar um, etwa 5,9 Milliarden Euro. In den Jahren davor pendelten die Erlöse zwischen 125 und 150 Milliarden Taiwan-Dollar (3,8 bis 4,6 Milliarden Euro).

Firma geriet wegen Suezkanal-Havarie mit „Ever Given“ bereits in die Schlagzeilen
Schon 2021 legte Evergreen einen deutlichen Sprung hin. Damals stieg der Umsatz bis auf 489 Milliarden Taiwan-Dollar (rund 15 Milliarden Euro). Doch Schlagzeilen machte die Firma damals anderweitig – denn mit der „Ever Given“ blockierte ein von der Reederei gechartertes Frachtschiff den Suezkanal zeitweise, ausgerechnet zu einer Zeit, in welcher die globale Logistik durch die Pandemie ohnehin schon an ihre Grenzen gebracht war.

Zwar schaffte es eine Bergungscrew, den auf Sand gelaufenen Containerfrachter nach sechs Tagen freizubaggern. Dennoch richtete die Havarie einen immensen finanziellen Schaden an: Dem Schifffahrtsblatt „Lloyd’s List“ zufolge hielt die Havarie der „Ever Given“ pro Tag Waren im Wert von 9,6 Milliarden Dollar (8,4 Mrd. Euro) auf. Der Versicherer Allianz wiederum bezifferte die Gesamtkosten für den Welthandel auf sechs bis zehn Milliarden Dollar (5,6 bis 9,3 Mrd. Euro).

Dem Geschäft von Evergreen schadete der Unfall nicht nachhaltig, wie die Geschäftszahlen und die großzügigen Boni zeigen. Allerdings streicht die nicht jeder Mitarbeiter ein, sondern nur diejenigen, die taiwanesische Verträge haben. Evergreen-Mitarbeiter in Shanghai beschwerten sich deswegen bereits, weil deren Boni nur das Fünf- bis Achtfache ihres monatlichen Gehalts betragen.

Und auch die Aktionäre des Reeders dürften mit der Performance momentan nicht sehr glücklich sein: Zwischen Dezember 2019 und Juni 2021 schoss die Evergreen-Aktie von 31 auf 492 Taiwan-Dollar nach oben, hielt die astronomischen Gewinne aber nicht lange. Derzeit notiert die Aktie bei gerade mal 155 Taiwan-Dollar (4,74 Euro) und hat damit trotz blendender Geschäfte allein in den vergangenen zwölf Monaten über 53 Prozent verloren.

Quelle:
Focus.de

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